Donnerstag, 23. April 2009 16:24
Wieso Neuseeland Taxifahrer zu Botschaftern ernennt
Höchste Ehren werden seit Kurzem Londoner Taxifahrern zuteil: Sie werden für eine Woche zum kostenlosen Urlaub nach Thailand oder Australien eingeladen, lernen die schönsten Sehenswürdigkeiten des Landes kennen und werden sachkundig geführt – ohne einen einzigen Cent bezahlen zu müssen! Sogar eine Begleitperson reist gratis mit.
Warum?
Weil die Tourismuswerber von Australien und Thailand Taxifahrer zu Botschaftern machen. Das Kalkül der Werber ist einfach: Sie schenken den Fahrern unvergessliche Erlebnisse, von denen sie monate-, wenn nicht jahrelang erzählen werden – und das auch ihren Kunden. Schließlich gehören Taxifahrer zu den Berufsgruppen, die mit besonders vielen Menschen in Kontakt kommen. Sie gelten als außerordentlich redselig und die Zuhörer sind ihnen – zumindest für die Dauer der Fahrt – ausgeliefert. So kommen Werbebotschaften an – ohne Streuverlust, ohne Ablenkung und so glaubwürdig, als würde einem ein guter Freund einen Tipp geben.
Nicht nur Taxifahrer, sondern auch Ärzte oder Friseure gehören zu den Berufsgruppen, die mit besonders vielen Menschen in Kontakt kommen. Kein Wunder, dass das Pharma-Marketing zum großen Teil über die Ärzte läuft. Sie werden mit Gratismustern eingedeckt, zu so genannten Fortbildungen eingeladen oder gar als Redner für Kongresse engagiert. Viele Ärzte sind dann die „Pillenbotschafter“ der Pharmakonzerne.
Aber auch mit Friseuren hat man schon Kampagnen gemacht – die Marketing-Geschichtsbücher berichten von erfolgreichen Aufklärungskampagnen zu Brustkrebs und Diabetes, bei denen Friseure die Informationen an die Kundinnen brachten.
Auftraggeber, die so denken wie die Tourismus-Marketer von Australien und Thailand oder die Pharmabosse, haben die alte Zielgruppendenke über Bord geworfen und denken und planen in Netzwerken.
Wer von den Angesprochenen kennt wie viele Leute und kann unsere Werbebotschaft weitertragen? Ein solcher Werbeansatz ist dem alten Zielgruppenmodell um ein Vielfaches überlegen. Er bringt die Chance auf eine exponentielle Steigerung des Werbeerfolgs, den herkömmliche Methoden haben.
13 Gründe, warum Sie nicht mit Zielgruppen, sondern mit Netzwerken planen sollten
Hören Sie auf, in Zielgruppen zu denken, wenn Sie Ihren Erfolg steigern wollen. Die Netzwerk-Methode verspricht weitaus mehr Chancen für Ihre Kommunikation.
1. Zielgruppen sind fiktiv. Netzwerke sind real.
Zielgruppen im Marketing sind definiert durch eine Anzahl gleicher Eigenschaften. Sie gehören derselben Altersgruppe an, liegen in derselben Einkommensschicht, sind männlich/weiblich o. Ä. Sie sind vor allem statistische Größen. Netzwerke sind real – z. B. die Fahrer eines bestimmten Autos, die Anhänger eines Clubs, Besucher einer Veranstaltung usw.
2. Zielgruppen werden definiert. Netzwerke werden entdeckt.
Mitglied einer Zielgruppe wird man, wenn der Marketingassistent die Statistikparameter festlegt. Netzwerke muss man entdecken: Sie sind zunächst häufig unsichtbar. Um sie sichtbar zu machen, muss man sich fragen: Wer steht mit wem in Kontakt? Welche Personen sind gemeinsam organisiert? Wie tauschen sie Botschaften untereinander aus?
3. Zielgruppen trifft man in Massenmedien. Netzwerke sind überall.
Die Zielgruppendenke gehört ins Verkaufsrepertoire der Massenmedien. Eigenschaften von Zielgruppen werden so definiert, dass möglichst viele Menschen in die Definition hineinpassen. Und dann erreichen Sie diese riesigen Mengen natürlich nur über Massenmedien. Wer Netzwerke erreichen will, kann meist auf Massenmedien verzichten. Denn die „Netzwerke“ sind überall und können durch alle Medien erreicht werden.
4. Zielgruppen sind Mengen von Einzelpersonen. Netzwerke sind Gruppen Gleichgesinnter.
Zielgruppen sind Einzelpersonen, die einige gleiche demographische Eigenschaften aufweisen. Das sagt noch nichts über deren Lebensstil, Freizeitverhalten, Einstellung und Konsumvorliebe aus. Netzwerke sind Gruppen Gleichgesinnter, z. B. die Teilnehmer einer Oldtimer-Rallye, die Fans von Bon Jovi oder die Mitglieder eines Harley-Davidson-Clubs etc.
5. Zielgruppen sind isoliert. Netzwerke sind verbunden.
Die einzelnen Mitglieder einer Zielgruppe kennen sich nicht. Das ist im Netzwerk komplett anders. Ein Netzwerk wird erst durch die Verbindung seiner Mitglieder zu einem Netzwerk.
6. Zielgruppen sind Autisten. Netzwerke kommunizieren.
Da es unter den einzelnen Mitgliedern von Zielgruppen keine Verbindungen gibt, gibt es auch keine Kommunikation. Anders im Netzwerk: Der Austausch mit Gleichgesinnten ist etwas, was Netzwerke zusammenhält.
7. Zu Zielgruppen schaffen Sie Kontakte. Zu Netzwerken knüpfen Sie Beziehungen.
Zielgruppen erreicht man durch die massenhafte Werbeansprache – über die so genannten Werbekontakte. An Netzwerke kommt man nur, wenn man Teil des Netzwerkes wird. Man knüpft also nicht flüchtige Kontakte, sondern man wird Teil des Netzwerks und man baut Beziehungen auf.
8. Zielgruppenwerbung ist anonym. Netzwerk-Werbung ist persönlich.
Die Zielgruppen-Werbung spricht Menschen als anonyme Zielpersonen an. Die Netzwerk-Werbung spricht von Anfang an den Menschen an und stellt ihn in den Mittelpunkt der Kommunikation.
9. Zielgruppen-Werbung kostet Geld. Netzwerk-Werbung kostet Zeit.
Es kostet eine Stange Geld, über Massenmedien Werbebotschaften zu streuen. Es kostet noch mehr Geld, weil bei Massenwerbung die unvermeidlichen Streuverluste eingebaut sind. Dagegen kann Netzwerk-Werbung, die auf persönlichen Kontakten beruht, sogar kostenlos sein. Sie kostet nur Zeit.
10. Zielgruppenkontakte werden alle gleich behandelt. Netzwerkkontakte behandelt man unterschiedlich.
In der Zielgruppen-Werbung wird eine Botschaft an alle gesendet. In der Netzwerk-Werbung gibt es für unterschiedliche Mitglieder des Netzwerks unterschiedliche Ansprachen – so werden z. B. in einem Fußballclub die Fans anders angesprochen als die Zuschauer, die nur gelegentlich zu einer Sportveranstaltung kommen.
11. Zielgruppen sind passiv. Netzwerke sind aktiv.
Zielgruppen sind Empfänger von Werbebotschaften. Netzwerke sind Empfänger und Sender zugleich. Denn das einzeln angesprochene Mitglied eines Netzwerks wird eine für ihn relevante Nachricht an die anderen Mitglieder des Netzwerks weitergeben.
Zielgruppen-Werbung ist Monolog. Netzwerk-Werbung ist Dialog.
In der Zielgruppen-Werbung spricht nur eine Seite: das Unternehmen und seine Werbebotschafter. Und die Medien, über die die Zielgruppen erreicht werden, bieten keinen Rückkanal. Der Empfänger kann nicht mal antworten. Netzwerk-Werbung ist immer Dialog. Der Angesprochene kann Ihnen Feedback geben. Es entwickeln sich Gespräche, in denen das Für und Wider bestimmter Produkte erläutert wird.
Zielgruppen-Werbung gewinnt Käufer. Netzwerk-Werbung gewinnt Käufer und Verkäufer.
Steigen Sie systematisch in das Netzwerk-Marketing ein. Versuchen Sie herauszubekommen, wie Ihre Kunden untereinander vernetzt sind. Überlegen Sie, welche Personen oder Personengruppen Zugang zu Ihren potenziellen Kunden haben könnten.
Unter den folgenden URLs finden Sie zahlreiche praktische Tipps rund um Werbung & Marketing:
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