Setzen Sie auf den Regio-Trend – aber richtig!
Donnerstag, 8. April 2010 11:42
Lieber lokal kaufen – diese Einstellung verbreitet sich zunehmend
Viele Konsumenten bevorzugen  regionale Anbieter – und erteilen anonymen Marken eine Absage. Wie stark diese Bewegung ist, zeigt ein Beispiel aus dem hessischen Ort Geisenheim. Eigentlich sollte ein großer Lebensmittelhändler das Grundstück in der Innenstadt bekommen. Doch die Einwohner der Kleinstadt waren dagegen: 800 Bürger gründeten eine Initiative mit dem Ziel, die Ansiedlung der großen Kette zu verhindern. Schlussendlich bekam Anfang des Jahres ein Edeka-Filialist den Zuschlag.
Das sind die Treiber des Regio-Trends:
• Konsumenten wollen die Umwelt schützen. Verkauft ein Landwirt seine Produkte in der Region, entfallen lange Transportwege. Das kann die Umwelt schonen (muss aber nicht, wie Studien zeigen).
• Konsumenten wollen die regionale Wirtschaft stärken. Studien aus den USA zeigen: Von den Einnahmen eines lokalen Buchhändler fließt rund die Hälfte in die Ökonomie des Orts zurück – bei der Filiale einer großen Kette sind es nur 13 Prozent.
• Konsumten suchen Fixpunkte, gerade in der Krise. David Bosshart, Chef des Schweizer Gottlieb- Duttweiler-Instituts (GDI), beschreibt das psychologische Moment so: „Konsumenten wollen gerade in der Krise dem Ursprung nah sein“, diagnostiziert er. Es herrsche derzeit ein „Heimweh zu Hause“.
Die Kaffeehauskette Starbucks reagiert bereits auf diesen Trend zur Lokalisierung: In Seattle, wo das Unternehmen gegründet wurde, hat unlängst eine neue Dependence eröffnet. Allerdings steht nicht Starbucks über der Tür, sondern 15th Ave. Coffee & Tea. Die Filiale pflegt bewusst eine unprofessionelle Anmutung, Sitzgelegenheiten im Lokal stammen aus einem ehemaligen Theater vor Ort.
Trendletter-Votum: Das sollten Sie beachten, wenn Sie auf den Faktor Regio setzen wollen:
• Wenn Sie regionale Wurzeln haben, sollten Sie diese in der Werbung herausstellen – aber auch nur dann! Regionalität, wie Starbucks, künstlich zu inszenieren, ist nicht Erfolg versprechend. Indiz: Es gab schon Demonstrationen vor dem Laden in Seattle, bei denen Aktivisten auf die Pseudo-Lokalität des Geschäfts hinwiesen.
• Der Faktor Regio sollte nur das Sahnehäubchen auf einem wettbewerbsfähigen Angebot sein. Berücksichtigen Sie in Ihrer Preispolitik, dass der Faktor Regio bei der Kaufentscheidung eine untergeordnete Rolle spielt. Beispiel: 29 Prozent aller Milchkäufer geben an, die heimische Wirtschaft mit ihrem Kauf fördern zu wollen – doch für 59 Prozent ist Qualität das wichtigste Kaufargument (Studie der Universität Kassel).
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Thema: Zukunft | Kommentare (0)