Geld ausgeben kann jeder – aber einkaufen?
Samstag, 28. Mai 2011 6:14
Warum die Beschaffung sämtlicher Produkte und Dienstleistungen in die Hände des Einkaufs gehört
Die Notwendigkeit, die Einkaufskosten weiter zu senken, wird auf dem globalisierten Markt immer entscheidender für die Wettbewerbsfähigkeit. Auch die Zerlegung des Einkaufs in strategische und operative Aufgaben wird dadurch noch bedeutsamer. Um die Ertragslage zu sichern, darf eine Geschäftsleitung das große Einsparpotenzial der Einkaufskosten nicht vergessen. Der einseitige Abbau von Personalkosten reicht aus, um vielleicht Bilanzkosmetik zu betreiben – solche Schlankheitskuren können jedoch sehr schnell zur Magersucht verkommen.
Nutzen Sie die nächsten Monate, um die strategische Ausrichtung des Einkaufs weiter voranzutreiben.
Wo liegt die Einkaufsverantwortung?
Die strategische Bedeutung des Einkaufs in einer Firma lässt sich sehr einfach herausfinden, wenn die Frage „Wo liegt die Einkaufsverantwortung?“ beantwortet wird. In vielen Unternehmen ist die Einkaufsverantwortung über das Unternehmen verteilt. Vergleicht man dazu die Verkaufsverantwortung, so ist diese fast nie aufgesplittet. Chefsekretärinnen, Marketingspezialisten und Computerexperten dürfen im Normalfall nicht verkaufen – ja, besitzen noch nicht mal direkten Kundenkontakt. Allerdings haben diese drei beispielhaft genannten Bereiche in sehr vielen Firmen Einkaufsverantwortung und geben übers Jahr gesehen fünf- bis sechsstellige Summen aus. Die Verkaufs-Verantwortung einer Firma liegt deswegen in den Händen der Verkäufer, weil diese speziell dafür ausgebildet sind und das nötige Know-how für ihre Aufgabe besitzen.
Warum gilt diese sinnvolle Regelung nicht auch für den Einkäufer? Einkaufen ist nicht leichter oder schwerer als verkaufen. Professionelles Einkaufen bedeutet mehr als eine Bestellung zu
schreiben. Besitzt der Einkauf die alleinige Einkaufsverantwortung im Unternehmen, so kann das von vielen Firmen praktizierte „Verkaufen-durch-die-Hintertür“ (Back-door Selling) verhindert werden. Viele Verkäufer praktizieren diese Verkaufstechnik sehr erfolgreich, indem sie ihre Produkte beim Kunden platzieren, mit der Technik alles klar machen und den Einkauf außen vorlassen.
Beachten Sie: Alle Mitarbeiter einer Firma müssen sich darüber im Klaren sein, welche betriebswirtschaftlichen Folgen ihr persönliches Handeln hat. Die Einkaufsverantwortung zu zentralisieren, bedeutet nicht, dass der Einkauf alle Einkaufsvorgänge an sich reißt. Die Einkaufsverantwortung zu besitzen, bedeutet, sämtliche Beschaffungsvorgänge für Produkte und Dienstleistungen in Kosten sparende und Gewinn bringende Bahnen zu lenken. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn die verschiedenen Betriebsabteilungen oder -stellen ihren Bürobedarf oder die Werkzeuge direkt beim Lieferanten bestellen. Allerdings müssen die Bestellungen durch den strategischen Einkauf dort platziert werden, wo es sinnvoll ist und wo Preise und Lieferkonditionen professionell ausgehandelt worden sind. Zahlreiche Mitarbeiter in den Firmen sind aufgrund ihrer Ausbildung und fehlender Einkaufserfahrung nicht in der Lage, erfolgreich einzukaufen. Geld ausgeben kann jeder – aber einkaufen?
Beachten Sie: Gehen Sie beim Verlagern der Einkaufsverantwortung behutsam vor. Betonen Sie das „Wir-Gefühl“. Überzeugen Sie die bisherigen „Einkäufer“ durch die erzielten Ergebnisse auch noch im Nachhinein von der Richtigkeit dieser Umstrukturierung.
Das Internet hilft, die Bestellabwicklung zu dezentralisieren
Durch den Aufbau von Web-Katalogen, in denen die Bedarfsträger die vorher festgelegten Produkte selbst bestellen können, wird der Einkauf von unproduktiven Routinearbeiten befreit. Der Einkauf legt die Inhalte des Produktkataloges fest, wählt die Lieferanten aus und verhandelt die gesamte Palette der Einkaufskonditionen. Dieses Vorgehen wird bereits in sehr vielen Firmen praktiziert – auch ohne Hilfe des Internets. Computergestützt ist dieses Verfahren selbstverständlich wesentlich komfortabler.
Fazit: Die Zentralisierung der Einkaufsverantwortung hilft einer Firma, enorme Kosten zu sparen. Überall dort, wo nicht durch Einkaufsprofis Aufträge an Lieferanten vergeben werden, wird Geld verschwendet.
Deshalb: Setzen Sie sich in Ihrer Firma persönlich dafür ein, die Einkaufsverantwortung zu zentralisieren.
Thema: Allgemein, Einkaufsmanagement, Globaler Einkauf, Zukunft | Kommentare (0)