Donnerstag, 11. August 2011 14:00
Die Arbeitszeit eines Außendienstmitarbeiters ist knapp. Deswegen müssen Sie mit dieser Ressource sorgfältig umgehen. In vielen Unternehmen sind die Vertriebsgebiete so geschnitten, dass der Mitarbeiter unmöglich alle seine Kunden ausreichend lange und häufig besuchen, geschweige denn potenzielle Kunden neu gewinnen kann. Wie soll er also vorgehen? Was können Sie ihm für eine optimale Planung an die Hand geben?
ABC-Analyse
Sie zeigt, dass 20 Prozent der Kunden (die so genannten A-Kunden) etwa 80 Prozent des Umsatzes auf sich vereinigen. Die nächsten 30 Prozent (B-Kunden) bringen noch mal etwa zehn Prozent des Umsatzes, und der Rest der Kunden (C-Kunden) ergibt weitere zehn Prozent. An dieser Aufteilung seine Besuchsplanung zu orientieren, ist verkehrt, denn sie orientiert sich allein an den Ergebnissen der Vergangenheit: Aus B-Kunden könnten A-Kunden werden oder A-Kunden könnten Umsatzeinbrüche erleben. Ferner haben Sie bei dieser Betrachtungsweise die (bislang noch) nicht kaufenden Kunden nicht berücksichtigt. Was Sie also brauchen, ist eine Aufstellung über das zukünftige Umsatzpotenzial der existierenden und der potenziellen Kunden.
Erfahrungswerte
Die Gesamtzeit, die ein Außendienstmitarbeiter für einen Kunden aufwendet, besteht aus der
• Vor- und Nachbereitung eines Besuches,
• Reisezeit zum Kunden,
• eventuellen Wartezeit und der
• eigentlichen Besuchszeit.
Nun zeigen Studien, dass Außendienstmitarbeiter bei geografisch größeren Gebieten zunächst die Kunden in der Nähe ihres Standortes besuchen. Weiter entfernte Kunden werden erst dann häufiger besucht, wenn sie sehr groß sind. Kein Wunder, denn dann nimmt der Anteil der Reisezeiten zu. Es ist daher sinnvoll, nur diejenigen Kunden zu besuchen, bei denen der erwartete Umsatz pro Zeiteinheit hoch genug liegt. Aber, darauf haben wir schon mehrfach hingewiesen, der Umsatz sagt nur bedingt etwas darüber aus, wie profitabel der jeweilige Kunde ist. Studien haben gezeigt, dass gerade mit mittelgroßen Kunden höhere Gewinne erwirtschaftet wurden als mit den umsatzstärksten.
Es kommt also auch darauf an, den Deckungsbeitrag zu berücksichtigen.
Besuchshäufigkeit
Und schließlich zeigen weitere Studien, dass auch die Besuchshäufigkeit darauf untersucht werden muss, inwieweit sie tatsächlich zur Steigerung des Umsatzes bzw. des Deckungsbeitrags beiträgt. Langjährige Kunden brauchten nicht so häufig besucht zu werden wie Neukunden – und blieben dem Unternehmen trotzdem treu. Also hat der Außendienstmitarbeiter ein komplexes Problem: Er muss seine knappe Zeit aufwenden für
• Kunden mit unterschiedlichen Anforderungen
• Kunden an weit entfernten Standorten
• Kunden mit unterschiedlicher Reaktion auf Besuchshäufigkeit und
• Die Akquise von Neukunden.
Kennzahl-Berechnung
Dieses Problem kann er intuitiv nicht optimal lösen. Deswegen versuchen sich Unternehmen zu behelfen, indem sie ihre Kunden segmentieren oder Besuchszeiten proportional nach einer Kennzahl zu verteilen. Professor Sönke Albers schlägt einen dritten Weg vor, mit dem Sie verhindern, dass Ihre Mitarbeiter zu viel Zeit in die falschen Kunden investieren. Er hat eine Berechnung entwickelt, die ohne aufwändige Software die optimale Besuchsplanung ermöglicht – basierend auf Daten, die im Unternehmen ohnehin vorhanden sind.
Im Kern der Berechnungen von Albers steht eine schlichte Formel: die Besuchs-Elastizität. Sie ist der Quotient aus Veränderung des Umsatz in Prozent geteilt durch die Veränderung der Besuchshäufigkeit in Prozent.
Beispiel: Nachdem der Kunde nicht sechs, sondern neunmal im Jahr besucht worden war, ist der Umsatz um 15 Prozent gestiegen. Damit beträgt die Besuchselastizität 15% : 50% = 0,3.
Albers: „Ein Unternehmen, das bei der Besuchsplanung seinen Deckungsbeitrag maximieren möchte, ist deshalb gut beraten, seine Kunden nach ihrer Größe und Elastizität auf Besuchsanstrengungen zu klassifizieren… Betrachtet man dann noch, dass Besuchs- und Arbeitszeiten auf Grund von Reisezeiten unterschiedlich sind, so ist für die Kunden eine Kennzahl auszurechnen, die aus folgenden Komponenten bestehen sollte:
• Deckungsbeitragssatz,
• Bisheriger Umsatz,
• Gewinnungswahrscheinlichkeit,
• Besuchszeitenanteil,
• Besuchs-Elastizität.“
Wenn nicht alle Daten im Unternehmen sofort greifbar sind, so lassen sie sich aber leicht schätzen oder aus Erfahrungswerten ableiten.
Deckungsbeitragssatz und Umsatz liegen im Rechnungswesen vor. Die Gewinnungswahrscheinlichkeit bezieht sich auf die Neukunden; hier sollten Sie für bestimmte Gruppen von Neukunden herausfinden, wie viele Versuche nötig waren, sie zu gewinnen.
Der Besuchszeitenanteil: Ein Außendienstmitarbeiter braucht 70 Minuten Fahrt, um seine Tour zu starten. Von Kunden zu Kunde benötigt er 20 Minuten, im Durchschnitt muss er zehn Minuten pro Kunden warten. Das eigentliche Gespräch dauert 30 Minuten. Dann kann er bei einem zehnstündigen Arbeitstag acht Kunden besuchen. Seine Einzelzeiten: 140 Minuten An- und Abfahrt, 140 Minuten Zwischenfahrtzeiten, 80 Minuten Wartezeit, 240 Minuten Besuchszeit. Insgesamt 600 Minuten oder zehn Stunden. Sein Besuchszeitenanteil beträgt damit 240/600 =40 Prozent.
Albers’ Formel zeigt nun, dass sich die Besuchszeit für einen Kunden aus der ihm zugeordneten Arbeitszeit multipliziert mit dem Besuchszeitenanteil ergibt. „Die Arbeitszeit für diesen Kunden ist wiederum definiert als Anteil der Gesamt-Arbeitszeit, wobei sich der Anteil als Quotient aus der Kennzahl für den Kunden (Deckungsbeitrag mal Umsatz mal Gewinnungswahrscheinlichkeit mal Elastizität) und der Summe dieser Kennzahlen über alle Kunden ergibt. Die Besuchshäufigkeiten errechnen sich dann durch Teilen der Besuchszeiten durch die mittleren Besuchslängen.“ Wie wirkt es sich nun aus, wenn Sie mit Ihren Außendienstmitarbeitern optimale Besuchshäufigkeiten planen können? Eine Simulationsstudie zeigt, dass Sie bei einer optimalen Besuchsplanung den Deckungsbeitrag um knapp 15 Prozent steigern können.
Albers’ Fazit: „In der Praxis bestehen erhebliche Verbesserungspotenziale für den Gewinn. Diese können mit einer einfachen Kennzahl erreicht werden. Letztendlich braucht man für die Besuchsplanung also kein bestimmtes Talent, sondern nur methodisches Wissen, das man trainieren und anwenden muss.“