Der Arbeitsplatz ist in Zukunft überall
Demnächst ist es soweit: Jonathan Schwartz, Chef des US-Technologiekonzerns Sun, wird seinen Schreibtisch für immer räumen. Doch der CEO scheidet nicht aus: Er löst lediglich sein Büro in der Firmenzentrale auf – und wird fortan arbeiten, wo er gerade ist. Am Flughafen, im Café, daheim. Damit folgt er den Trends von 17.000 anderen Sun-Mitarbeitern, die am so genannten Open-Work-Programm teilnehmen und Arbeitsort, -zeit und –mittel frei wählen können.
Ähnlich wie Sun verfahren in Zukunft viele Unternehmen
Das Büro als alleiniger Ort der Arbeit und Energiezentrum des Betriebs verliert an Bedeutung. Wenn überhaupt stationär gearbeitet wird, dann nach dem Prinzip des Hot Desking: Feste Büroräume werden abgeschafft; der Mitarbeiter sucht sich morgens einen freien Arbeitsplatz. Die Entwicklung: Im Jahr 2020 werden 80 Prozent der Arbeitskräfte zeitweise außerhalb eines festen Büros tätig sein, prognostiziert die britische Future Foundation.
Zum Vergleich
Derzeit liegt dieser Anteil in Deutschland gerade mal bei 6,8 Prozent. Warum kommt gerade jetzt der Durchbruch für das, was früher Telearbeit genannt wurde? Technologien wie Handy, Blackberry oder allgegenwärtiger drahtloser Internetzugang haben die Idee befördert, sicher. Doch dass sich der nomadische Arbeitsstil so stark verbreitet, liegt vor allem an der zunehmenden Arbeitskräfteknappheit.
Um ihren Rekrutierungsbedarf zu decken, müssen Firmen in Zukunft neue Reserven erschließen, Mütter zum Beispiel.
Sie erwarten, dass die Möglichkeit zur Telearbeit besteht – genau wie viele junge Wissensarbeiter, die nicht mehr einsehen, jeden Morgen im Pendlerstau zu stehen. Freilich gibt es auch in Zukunft Firmenzentralen und Büroräume. Allerdings werden sie sich stark von den Schreibtischfarmen heutiger Tage unterscheiden.
Der wichtigste Trend
Nicht das Büro bestimmt die Art der Arbeit, sondern die Art der Arbeit das Büro. Das Modell 48 kleine Büros an einem Flur hat zunehmend ausgedient. Gefragt sind so genannte Hybrid Spaces: Räume, die je nach Zweck umgestaltet werden können. Heute Konferenzraum, morgen Denkzelle, übermorgen Cafeteria – verschiebbare Wände und Möbel machen das möglich. Per Datenfunk besteht überall Zugang zum Netz. Hintergrund: Der Arbeitsnomade bewegt sich auch zunehmend innerhalb des Büros; nur noch 40 Prozent der Arbeitszeit im Büro wird auch am Schreibtisch verbracht, hat eine US-Studie ergeben.
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Telearbeit – diese Risiken bleiben
Vier von fünf Mitarbeitern schaffen in Zukunft teilweise außerhalb des Büros. Der Anteil reiner Telearbeiter, die ausschließlich von zuhause aus arbeiten, bleibt dagegen relativ gering. Rechnen Sie mit 15 bis 20 Prozent.
Das sind die Gründe:
Es gibt keine Karriere ohne Anwesenheit im Büro. In einer weltweiten Umfrage der Personalberatung Korn Ferry gaben 60 Prozent von 1.300 Führungskräften an, dass sie Telearbeitern weniger Karrierechancen einräumen. „Von zuhause aus kann man nicht führen“, sagt Jack Welch, ehemaliger Chef von General Electric. Gerade junge Aufsteiger werden deshalb weiterhin ein eigenes Büro in der Firmenzentrale anstreben.
- Nicht die ganze Belegschaft taugt für den nomadischen Lebensstil. Eine Umfrage der University of Maryland ergab: 14 Prozent aller Angestellten wollen weiter ins Büro gehen – selbst wenn sie telearbeiten könnten. Gründe für die ablehnende Haltung: fehlende soziale Kontakte, keine Weiterbildungsmöglichkeiten, keine Unterstützung bei organisatorischen oder technischen Problemen. Darüber hinaus fehlt vielen Mitarbeitern die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren und zu organisieren.
- Wenn einige Mitarbeiter telearbeiten, sinkt die Zufriedenheit der stationären Mannschaft. Das ergab eine Untersuchung der Lally School of Management & Technology. Die Bürokräfte klagen vor allem darüber, dass es schwieriger wird, sich mit den Kollegen zu koordinieren.
Co-Working gedeiht nur in der Nische
Selbstständig arbeiten – ohne auf den Kollegenplausch zu verzichten. Das ist die Idee hinter dem so genannten Co-Working-Prinzip: Selbstständige Wissensarbeiter mieten sich tage- oder monatsweise in einer Art Gemeinschaftsbüro ein. Diese Co-Working-Spaces bieten drahtlosen Internetzugang, einen Kühlschrank und in einigen Fällen auch eine kleine Kantine. Prognose: Den großen Durchbruch wird das Konzept nicht erleben; dafür sind die Kosten (bis zu 200 Euro pro Monat und Arbeitsplatz) einfach zu hoch (http://coworking.pbwiki.com).
