Ja, auch wir können: Wir-Gefühl startet eine neue Karriere
Was ist das Werbewort des Jahres, welcher Begriff wurde im vergangenen Jahr im Rahmen von Werbung auf dem deutschen Werbemarkt am häufigsten genutzt?
Es ist das kleine, aber viel sagende Wörtchen “Wir”.
Obama sagte ja auch nicht, “Yes, I can”, und der schnell dahingeworfene Claim wurde zum Programm für einen neuen Aufbruch in Politik und Wirtschaft. Sich im Kollektiv wiederzufinden und nach Identitäten zu suchen, die über das eigene Ich hinausgehen, wird in den kommenden Monaten zu einem zentralen Trend in der Gesellschaft, aber auch auf unseren Märkten werden.
Gerade ist das Magazin “Wir” an den Kiosk gegangen.
Der Untertitel der Zeitschrift (“Kommt in den besten Familien vor”) verrät, was mit “Wir” vor allem gemeint ist: die Familie. “Wir” ist ein Magazinprojekt der Süddeutschen Zeitung”, das sich mit viel Herzblut dem von uns unter “Familie 2.0″ definierten Trend widmet. Die Anzeigenkunden beteiligen sich zumindest in der ersten Ausgabe intensiv am Wir-Marketing: Neben den erwartbaren Kunden wie Kinderwagenhersteller schalten auch Versicherungen, Banken und Premiummarken wie BMW, Microsoft und Hugo Boss Anzeigen für Jung und Alt.
Wertemonitor
Auch im Wertemonitor des Zukunftsinstituts (“Wie geht’s der Welt”), der in Zusammenarbeit mit GfK Roper entsteht und in dem Menschen in 25 Nationen nach den für sie wichtigen Werten befragt wurden: Familie, stabile soziale Beziehungen und Freundschaft gehören überall zu den Top-10-Werten, wohingegen Werte wie Macht (Platz 52), Status (Platz 49) und Egoismus (Platz 52) abgeschlagen auf den hinteren Plätzen landeten.
Buchtittel
Nicht zuletzt hat Eric Greenbergs Buch „Generation We: How Millennial Youth Are Taking Over America and Changing Our World Forever“ den Trend angeschoben. Längst hat sich im Internet eine Gemeinde gebildet, die die neue Liebe zum „Wir sagen“ zur Generationenfrage erhebt (www.gen-we.org).
Einschätzung Zukunftsletter
Es gibt eine tiefe Sehnsucht nach kollektiven Identitäten und nach einer Kultur, die Beziehungen schafft. Dieses neu erwachende Vergemeinschaftungsbedürfnis kann von Handel und Industrie gar nicht ernst genug genommen werden. Marken werden zukünftig nicht mehr nur ihre Einzigartigkeit nach vorne stellen, die Konsumenten erwarten eine kollektive Vision.
