Mit welchen 3 Hebeln Sie Ihre Beschaffungskosten um 10% und mehr reduzieren

Nutzen Sie als Industrie-Einkäufer alle Gewinnhebel, die Ihnen zur Verfügung stehen? Aktuell sind zwar  Maßnahmen wie Restrukturierung oder Personalabbau angesagt, doch eine deutliche Gewinnsteigerung erzielen Sie  auch ohne diese schmerzhaften Schritte – indem Sie Ihre Beschaffungskosten systematisch optimieren. Lesen Sie in  diesem Beitrag, wie ein Mikroskop-Hersteller seine Gesamt-Einkaufskosten auf diese Weise um mehr als 10 % reduziert hat.

Praxisbeispiel: Carl Zeiss Micro Imaging GmbH (CZM)

Die 100%ige Tochtergesellschaft der Carl-Zeiss-Gruppe ist mit ihren Geschäftsbereichen BioSciences, Industrial und Clinical auf die Bedürfnisse der Anwender ausgerichtet und gehört als  Hersteller und Anbieter von mikroskopischen Lösungen und Systemen weltweit zu den Marktführern.  Das Unternehmen begann Ende 2006, nach einer Reihe von Kostensenkungsmaßnahmen in den Bereichen Fertigung und Verwaltung auch die externe Wertschöpfung einer genauen Prüfung zu  unterziehen.

Gemeinsam mit der TARGUS Management Consulting AG wurden 3 Arbeitsfelder formuliert:

1. Nachweis der Minimalkosten für einen Kaufteil  bis zum „harten Anschlag“, anstatt sich mit (oft marginalen) Preissenkungserfolgen zu begnügen.

2. Aufwertung der Einkäufer-Rolle: Der Einkäufer als Supply-Manager für systematische Materialkostenoptimierung statt als Erfüllungsgehilfe zur Beschaffung vorgegebener Spezifikationen  durch die Technik/Bedarfsträger.

3. Direkte Einflussnahme auf Bedarf/Nachfrage der Bedarfsträger statt reiner Preisverhandlungen mit  Lieferanten nach erfolgter Bedarfsmeldung.

Wie modernes Materialkosten-Management funktioniert:

Durch die „Umkehr der Beweislast“ in den Teams wird erreicht, dass die Bedarfsträger (Technik,  Konstruktion …) argumentieren müssen, weshalb über die Minimalkosten (die sog. Kernkosten)  hinaus Mehrkosten notwendig sind. Üblicherweise wird versucht, die Bedarfsträger mit schwieriger Überzeugungsarbeit dazu zu bewegen, vom Bestehenden aus Kostensenkungen zu erreichen.

Beachten Sie: Die Denkrichtung der Minimalkosten hilft auch dabei, grundsätzlich bestehende  Anforderungen erneut zu hinterfragen.

Die abteilungsübergreifende (integrierte) Materialkosten-Optimierung stellt sicher, dass nicht nur die  klassischen einkäuferischen Hebel angewendet werden (Preis, Bündelung, Lieferantenwechsel …),  sondern dass zusätzlich auch Einfluss auf die Mengen und die Produkteigenschaften (Spezifikation) genommen wird.

3 mächtige Ertragshebel:

1. Hebel Preis: Durch die konsequente Gegenkalkulation gemeinsam mit der Fertigung und Dritten wurden teilweise  erhebliche Kostensenkungspotenziale von 30 % und mehr aufgespürt.

2. Hebel Spezifikation: Die Prüfung der CZM-Vorfertigung hat gezeigt, dass in 30 % der Fälle auf eine  günstigere Halbzeugqualität umgestellt werden konnte.

3. Hebel Menge: Überprüfung der Halbzeugpalette und Verschnittoptimierung konnten hohe Einsparungen erzielt werden.

Beachten Sie: Es reicht heutzutage nicht mehr, nur die klassischen einkäuferischen Hebel (Preis,  Bündelung, Lieferantenwechsel) anzuwenden. Es muss zusätzlich Einfluss auf die Verbrauchsmengen  und die Produkteigenschaften (Spezifikation) genommen werden.

Schlüssel zum Erfolg: Kostensenkungs-Teams

Es wurden interdisziplinäre Teams gebildet mit Vertretern aus allen Bereichen, die einen Beitrag zur  Einkaufskostensenkung leisten können: Einkauf, Fertigung, Montage, Instandhaltung, Forschung und  Entwicklung, Controlling, Vertrieb. Diese Teams bearbeiten – in werksübergreifendem Gleichschritt –  Untersuchungseinheiten über verschiedene Materialgruppen und stellen die Offenlegung des  gesamten Knowhows sowie die Nutzung aller Kosten-hebel sicher. So entstehen zwangsläufig

Best-Practice-Vorgehen und Multiplikatoreffekte durch:

-  internen Wettbewerb und Orientierung am jeweils „Klassenbesten“,

-  schnelle Ideenentwicklung und -bewertung,

- Aufbau von Einkaufsmacht durch Bündelung,- Aufbau und aktive Einbindung von strategischen Lieferanten.

Praxistransfer der neuen Einkaufsmethodik:

Die gemeinsame Arbeit und Erfolgserlebnisse in den Teams sind die Basis für eine nachhaltige  Anwendung des neuen Materialkosten- Managements bei der Carl Zeiss Micro Imaging GmbH. Das  vollständige Ausschöpfen der Einkaufspotenziale wird in 3 Schritten sichergestellt:

Schritt 1: Herbeiführen der Kostentransparenz mit dem Ziel der Ermittlung von Ausgaben und  Bedarfsträgern (Ergebnis: Nutzergruppen, Budgets nach Materialgruppen und „inhaltliche“ Budgetverantwortliche).

Schritt 2: Einfluss auf Verbrauch und Spezifikation mit dem Ziel der Identifizierung der Minimallösung  für den tatsächlichen Bedarf (Ergebnis: etablierte, interdisziplinäre Materialkostenteams,  verabschiedete Budgets und detaillierte Maßnahmenpläne).

Schritt 3: Umsetzung der Maßnahmen und Erfolgsmessung (Ergebnis: angepasste Verhaltensregeln und Abläufe, neue Verträge und Lieferantenbeziehungen, ein konsolidierter Lieferantenpool sowie  vom Controlling geprüfte, signifikante Einsparungen).

Hierzu CZM-GGeschäftsführer Wilhelm Nörthemann: „Das Resultat waren für jede Materialgruppe  detaillierte Maßnahmen und Einsparungen, die sich zu einer signifikanten Senkung der  Gesamteinkaufskosten von über 10 % addieren. Durch das systematische und konsequente  Vorgehen ist es den Teams gelungen, bereits im laufenden Projekt erste Erfolge zu erzielen. Die  dadurch erreichte hohe Motivation der Mitarbeiter sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit waren  der Schlüssel zum Projekterfolg. Das kurz getaktete Arbeiten sowie die bereichsübergreifende  Zusammenarbeit haben sich dabei eindrucksvoll bewährt und werden auch künftig durch die im  laufenden Projekt trainierten Mitarbeiter weitergeführt.“

Autoren: Andreas Sans,

Dr. Martin Wehrmann,

Kontakt: www.targusconsulting.de

Sofern Sie sich für weitere Themen rund um das Einkaufsmanagement interessieren, können wir Ihnen die Seite: www.einkaufsmanager.net, empfehlen.

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Datum: Montag, 24. August 2009 14:27
Themengebiet: Einkaufsmanagement

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