Donnerstag, 15. September 2011 15:52
Das Telefon ist das am meisten benutzte Kommunikationsmittel. Sie können Geschäftspartner damit schnell und direkt erreichen. Das Telefon ist gleichzeitig aber auch die häufigste Störquelle und ein großer Zeitfresser im Geschäftsleben. Sie können sich weder auf das Telefon konzentrieren, noch ohne das Telefon leben. Sie müssen Ihr Telefon beherrschen, nicht umgekehrt.
„Telefonieren kann doch jeder“
Telefonieren ist leicht, es gehört zum Alltag und es nervt manchmal. Telefonieren kann tatsächlich jeder, aber die Frage ist, wie Sie noch erfolgreicher als bisher telefonieren können.
Es erfordert Können, so zu telefonieren,
dass der Gesprächspartner zufrieden ist und Sie sich selbst wohl fühlen;
dass Ihr Anruf erfolgreich verläuft;
dass Sie die gesteckten Ziele erreichen und
dass Sie auch schwierige Gesprächssituationen meistern können, ohne in emotionalen Stress zu geraten.
Wer beherrscht im Berufsalltag wen? Viele Telefonate verlaufen nach diesem Schema:
1. Wählen
2. Reden
3. Suchen
4. Auflegen
5. Denken
Telefonieren ist direkt, schnell und bequem. Aus dieser Tatsache heraus ergeben sich unmittelbare Konsequenzen für die beiden Gesprächspartner:
1. Telefonieren ist komplex.
2. Telefonieren ist eine sehr intensive Form der Kommunikation.
3. Telefonieren benötigt weniger Smalltalk als das Gespräch von Angesicht zu Angesicht.
4. Telefonieren heißt daher: schnell zur Sache kommen.
5. Telefonieren bedeutet aber auch: Sie müssen sich klar und präzise ausdrücken.
6. Telefonieren heißt: sehr intensiv auf den Gesprächspartner eingehen.
7. Telefonieren erfordert viel Disziplin.
9 Geheimnisse professioneller Telefongespräche
1. Hören Sie noch besser zu
Da Worte oft trügerisch sind, ist es wichtig, dass Sie inhaltlich genau verstehen, was Ihr Gesprächspartner am Telefon sagt. Durch Zuhörtechniken finden Sie rasch heraus, ob Sie ihren Gesprächspartner richtig verstanden haben und umgekehrt. Die wichtigste Zuhörtechnik ist die Fragetechnik. Fragen Sie immer nach, wenn Sie bei einem Telefonat etwas nicht verstehen. Beispiele: „Wie meinen Sie das?“, „Was verstehen Sie unter Zuverlässigkeit?“, „Was bedeutet SCM?“ Durch das Stellen von Fragen können Sie aktiv zuhören, in dem Sie das Gesagte durch eigene Worte zusammenfassen. Beispiel: „Sie möchten mit uns eine schriftliche Vereinbarung für die komplette Jahresbedarfsmenge treffen?“ Mit einer Frage können Sie aber auch die Gefühle Ihres Gesprächspartners spiegeln. Beispiel: „Herr Verkäufer, Sie sind unsicher, ob ich meine Zusage einhalte?“
Beachten Sie: Durch richtiges Fragen stellen Sie einen besseren Kontakt zum Gesprächspartner her und lenken gleichzeitig das Gespräch in die von Ihnen gewünschte Richtung.
2. Machen Sie das Gesprächsthema deutlich
Beim Telefonieren bewegen wir uns auf Haupt- und Nebenstraßen. Die Hauptstraße ist der Grund für das Telefonat. Nebenstraßen sind alle Abzweigungen, die von der Hauptstraße (Gesprächsanlass) abzweigen. Sie müssen in Telefonaten die Haupt- und Nebenstraßen erkennen, damit Sie das Gespräch gezielt steuern können. Wenn Sie kurze Telefongespräche führen wollen, dann biegen Sie einfach nicht von der Hauptstraße ab. Wenn Sie die sich in einem Telefonat anbietenden Nebenstrecken nutzen, wird sich Ihr Telefongespräch mit großer Sicherheit verlängern. Wenn Sie dagegen ausgiebig telefonieren wollen und/oder einen schweigsameren Gesprächspartner haben, bieten Sie gezielt Themen an, um auf eine Nebenstrecke zu gelangen.
3. Welcher Telefontyp sind Sie?
Es können grundsätzlich 3 Telefontypen unterschieden werden:
a) Der Ich-Bezogene: Das Durchsetzen der eigenen Ziele und Wünsche steht im Vordergrund. Dieser Typ vernachlässigt schnell die Bedürfnisse des Gesprächspartners, das gemeinsame Thema des Telefonats und er beschäftigt sich kaum mit der Frage, wie es dem Gesprächspartner geht.
b) Der Partnerbezogene: Für ihn ist Harmonie unverzichtbar. Er möchte, dass der Gesprächspartner zufrieden ist, und stellt die eigenen Bedürfnisse dafür sogar zurück. Er drückt seine eigenen Vorstellungen nicht aus und vernachlässigt die aktive Steuerung des Telefonats.
c) Der Sachbezogene: Dieser Typ fährt unbeirrt die Hauptstraße. Zahlen und Fakten sind sehr wichtig für ihn. Er selbst zeigt keine Gefühle im Gespräch und nimmt auch die Gefühle des anderen nicht wahr. Er arbeitet nicht aktiv an der Gesprächsatmosphäre und fragt den Gesprächspartner auch nicht, wie es ihm geht.
Beachten Sie: Wenn Sie beim Telefonieren zwischen den drei Verhaltenstypen hin- und herschalten können, dann lenken Sie bewusst den Gesprächserfolg.
4. Telefonieren Sie flexibel
Bauen Sie Ihre Gesprächskompetenz aus, indem Sie die Palette Ihres Verhaltens gezielt erweitern. Machen Sie sich klar, welcher Telefontyp sie tendenziell sind und welche Aspekte Sie in Telefonaten vernachlässigen. Experimentieren Sie beim Telefonieren vorsichtig mit neuen Verhaltensmustern. Wenn Sie sich beispielsweise bisher nie so richtig für das Befinden Ihres Gesprächspartners interessiert haben, legen Sie in einem neuen Telefonat einmal besonderen Wert auf diesen Aspekt. Wichtig ist, dass Sie sich bei diesen Kommunikationsexperimenten selbst beobachten. Fragen Sie sich nach dem Telefonat: Wie hat mein Gesprächspartner darauf reagiert und wie habe ich mich selbst dabei gefühlt?
5. Den anderen schnell und sicher einschätzen: Wenn unterschiedliche Telefontypen aufeinander treffen, dann ist die Kommunikation schnell gestört. Je schneller Sie herausfinden, mit welchem Telefontyp Sie es am anderen Ende der Leitung zu tun haben, desto sicherer können Sie das Gespräch in die gewünschte Richtung lenken. Mit einigen Gesprächspartnern können Sie reibungslos telefonieren und fühlen sich gut dabei. Bei anderen wiederum stellt sich dieses positive Gefühl nicht ein, und vielleicht sind diese Telefonate auch nicht so erfolgreich. Woran liegt das? Ein Grund dafür sind Informationsfilter. Bei jedem Menschen steuern diese inneren Filter, wie er worauf reagiert. Das hat zur Folge, dass beispielsweise 3 Menschen, die ein und dieselbe Nachricht hören, etwas anderes darunter verstehen. Die Psychologen unterscheiden
5 wichtige Informationsfilter:
1. Beziehung oder Inhalt.
2. Einzelheiten oder Überblick.
3. Hören oder Reden.
4. Optimist oder Pessimist.
5. Viele oder wenige Gesprächskontakte.
6. Gute Stimme durch die Stimme: Tatsache ist, dass die Wirkung akustischer Informationen sehr oft unterschätzt wird. Die Stimmen am Telefon lösen Gefühle aus und rufen bei beiden Gesprächspartnern innere Bilder vor dem geistigen Auge hervor. 5 Aspekte beeinflussen die Wirkung Ihrer Stimme:
1. Das Sprechen.
2. Die Haltung.
3. Das Denken.
4. Die Atmung.
5. Die Mimik.
Viele Menschen wissen gar nicht, wie sie sprechen und wie sich ihre Stimme anhört. Halten Sie ein geschäftliches und ein privates Telefonat auf Band fest. Hören Sie sich die Gespräche mehrmals an und halten Sie fest, was Ihnen auffällt. Spielen Sie die Gespräche einer Person Ihres Vertrauens vor und bitten Sie um eine ehrliche und offene Analyse. Besonders wichtig ist es, dass Sie beim Telefonieren ein freundliches Gesicht machen. Wenn Sie lächeln, „hört“ das Ihr Gesprächspartner. Probieren Sie es einmal bewusst aus.
Experimentieren Sie auch einmal mit Ihrer Körperhaltung beim Telefonieren. Ihre Stimme bekommt beispielsweise eine ganz andere Dynamik, wenn Sie beim Telefonieren stehen.
Selbstverständlich wirkt sich auch das Denken eines Menschen auf seine Stimme aus. Eine positive Stimmung sorgt für eine frische und angenehme Stimme.
Beachten Sie: Die Stimme verrät, in welcher Stimmung sich der Gesprächspartner und natürlich auch man selbst sich befindet.
7. Sprechen Sie positiv: Mit der Macht des Wortes können Sie Gedanken und Vorstellungen bei Ihren Gesprächspartnern direkt lenken. Kommunikationsexperten sprechen hier von positiver Telefonrhetorik, mit der 3 Ziele verfolgt werden:
1. Die Stimme am Telefon soll zuversichtlich und optimistisch klingen.
2. Die Stimme soll freundlich sein.
3. Es sollen bewusst positiv besetzte Wörter verwendet werden.
Ein Beispiel macht deutlich, worum es geht: „Tja, Moment mal, dass muss ich erst prüfen. Die Sendung ist noch nicht rausgegangen. Dafür ist meine Kollegin zuständig und die ist heute nicht da. Morgen ist sie aber wieder da. Rufen Sie doch dann einfach noch einmal an.“ So geht es auch: „Eine Sekunde bitte, Herr Einkäufer, ich prüfe das sofort für Sie … Ihre Bestellung liegt vor. Mein Kollege, Herr Dorn, kümmert sich sofort darum. Er ist morgen wieder für Sie da. Soll ich ihm eine Nachricht hinterlassen, damit er Sie anrufen kann?“
Der Unterschied der beiden Varianten ist offensichtlich.
8. Schwierige Gesprächssituationen gekonnt meistern: Gesprächssituationen am Telefon, die Sie als schwierig empfinden, wird es immer wieder geben. Entscheidend für den Erfolg ist, wie Sie mit solchen Situationen umgehen. Das Ziel lautet: Konfliktpotenzial schon im Ansatz erkennen und keinesfalls „Öl ins Feuer gießen“. Die Konfliktgefahr im Gespräch mit Verkäufern ist am größten bei Preisverhandlungen, Gesprächen über geplatzte Liefertermine und bei Reklamationsfällen wegen mangelhafter Qualität. Viele Einkaufsleiter empfinden auch (Kritik-)Gespräche mit ihren Mitarbeitern als schwierig. Bedienen Sie sich in schwierigen Gesprächssituationen eines Tricks. Unterscheiden Sie zwischen Privatperson und Funktionsträger. Wenn Sie mit einem Verkäufer telefonieren, dann haben Sie auf der einen Seite den Menschen und auf der anderen Seite den Funktionsträger Verkäufer. Diese Technik hilft Ihnen, verbale Angriffe nicht persönlich zu nehmen, da diese sich im Geschäftsalltag sehr häufig ausschließlich gegen den Funktionsträger richten.
7 praktische Tipps für schwierige Telefonate
1. Lassen Sie Ihren Gesprächspartner unbedingt ausreden. Sie sorgen so für eine ruhigere Gesprächsatmosphäre. Dies ist besonders wichtig, wenn Ihr Gesprächspartner Verärgerung signalisiert.
2. Sorgen Sie dafür, dass Sie Ihren Gesprächspartner auch wirklich verstehen. Vermeiden Sie Missverständnisse. Hören Sie aufmerksam und aktiv zu und fragen Sie nach, wenn Sie das Gefühl haben, etwas nicht richtig verstanden zu haben.
3. Ignorieren Sie indirekte Angriffe und andere Nebenstraßen. Ein aufgeregter Gesprächspartner macht ab und zu verdeckte Angriffe, die meistens gar nicht Sie als Person betreffen, sondern einen Ihrer Kollegen, eine Abteilung oder die gesamte Firma. Beispiel: „Was haben Sie denn für eine Einkaufspolitik?“ Überhören Sie solche und ähnliche Aussagen. Wenn Sie darauf eingehen würden, führt das meistens direkt in eine Sachgasse.
4. Arbeiten Sie konsequent an einer Lösung. Stellen Sie sich immer die folgende Frage: „Wie kommen wir gemeinsam weiter?“ Diese Frage können Sie Ihrem Gesprächspartner sogar offen stellen. Sie läutet häufig ein Entgegenkommen ein, aber nicht nur auf der anderen Seite, sondern gleichzeitig auch bei Ihnen. Die Voraussetzungen für einen tragfähigen Kompromiss sind damit erfüllt.
5. Sagen Sie klar und deutlich, was Sie wollen. Wenn Sie in solchen Gesprächen besonders betonen, was Sie nicht wollen, dann hilft das nicht viel weiter.
6. Vermeiden Sie die Floskel „ja, aber“. Das „Ja, aber“ ist ein verkapptes Nein und kommt bei vielen Menschen nicht sehr gut an. Ersetzen Sie das „Aber“ einfach durch ein „Und“. Wenn Sie es ausprobieren, werden Sie den Unterschied feststellen.
7. Festgefahrene Gespräche auflösen. Wenn Telefonate ausufern oder in eine Sackgasse geraten, arbeiten Sie am besten mit der Fragetechnik oder mit Ich-Botschaften. „Wie sollen wir Ihrer Meinung nach jetzt weitermachen?“ Oder „Was schlagen Sie jetzt vor?“ Solche oder ähnliche Fragen haben schon manchen hitzigen Gesprächspartner auf einen konstruktiven Lösungsweg zurückgeführt. Solche Fragen helfen aber nicht immer. Fühlen Sie sich zum Beispiel persönlich angegriffen, senden Sie eine Ich-Botschaft. Beispiel: „So, wie Sie das gerade gesagt haben, fühle ich mich von Ihnen angegriffen. Bitte lassen Sie das, sonst zwingen Sie mich, das Telefonat sofort zu beenden.“ Diese offensive und direkte Vorgehensweise erfordert natürlich etwas Mut, Sie zeigen Ihrem Gesprächspartner jedoch ganz deutlich, wie weit er bei Ihnen gehen kann und wo seine Grenzen liegen. Ändert der Gesprächspartner danach sein Verhalten nicht, dann beenden Sie sofort das Gespräch.
9. Den kleinen „Tyrannen“ auf dem Schreibtisch beherrschen: Benutzen Sie Ihr Telefon nicht länger gewohnheitsmäßig. Analysieren Sie in den nächsten Tagen Ihr persönliches Telefonverhalten. Nutzen Sie die obigen Punkte für diese Analyse. Das Telefon wird schnell zum Stressfaktor, weil jeder, der Ihre Telefonnummer kennt, unangemeldet hereinplatzen kann. Ideal ist es, wenn Sie selbst bestimmen können, wann Sie mit wem telefonieren. Am leichtesten können dies die Führungskräfte tun, indem Sie Ihr Telefon auf die Sekretärin umstellen. Die persönliche Produktivität nimmt so deutlich zu.