Mittwoch, 30. März 2011 6:00
Das Versprechen dieses Beitrags ist so einfach wie wirkungsvoll: „Entschlüsseln Sie die Botschaften, die Ihnen Ihre Kunden geben: Es lohnt sich!“. Kommunikationsstrategien helfen Ihren Mitarbeiter.
Und das Beste: Es funktioniert sofort! Ein Praxisbeispiel:
„Sieht gut aus, das Projekt beim Kunden Grosser“, berichtet voller Stolz einer Ihrer Außendienstmitarbeiter. „Er war sehr freundlich und äußerst interessiert.“ Zwei Wochen später kommt er geknickt von seiner Verkaufstour zurück: „Offensichtlich habe ich den Kunden falsch eingeschätzt. Er wollte sich nur mal informieren was wir alles so können und hat unser Angebot dann brühwarm dem Konkurrenten Neisser unter die Nase gerieben. Der hat natürlich sofort zugeschlagen und einen seiner berühmt-berüchtigten Kampfpreise gemacht, bei denen wir nicht mithalten können. Das hätte ich wirklich nicht gedacht. Wenn man die Kunden doch nur leichter durchschauen könnte!“
Gehen Sie auf Entdeckungsreise! Zuerst die schlechte Nachricht: Den „gläsernen Kunden“ werden Sie nie bekommen. Da können Sie ein noch so guter Menschenkenner sein: Früher oder später stoßen Sie an natürliche Grenzen. Und auch Ihr top-gepflegtes CRM-System liefert Ihnen letztlich nur die Informationen, die Sie und Ihre Verkäufer bereits über Ihre Kunden gesammelt haben. Die Gedanken Ihrer Kunden können Sie damit ebenfalls nicht lesen.
Die gute Nachricht: Das alles heißt aber noch lange nicht, dass der Kunde für Sie ein unbekanntes Wesen sein muss. Denn es gibt eine Menge Möglichkeiten, ihm auf die Schliche zu kommen. Dafür brauchen Sie weder hellseherische Fähigkeiten noch übersinnliche Kräfte – Stichwort Kundenkommunikation. Sie müssen ganz einfach gut zuhören, ihren Kunden aufmerksam beobachten und Ihre feinen Antennen noch weiter ausstrecken. Dann werden Sie plötzlich eine Menge über Ihren Kunden he – rausfinden. Laden Sie Ihre Verkäufer ein, mit Ihnen auf Entdeckungsreise zu gehen!
Setzen Sie Ihr Wissen über die Körpersprache ein. Mit Sicherheit haben auch Ihre Verkäufer schon irgendwann mal etwas über das Thema Körpersprache gehört oder gelesen. Doch im Alltag setzen sie dieses Wissen häufig nicht um! Das geht schon los, wenn sich Kunde und Verkäufer zum ersten Mal begegnen und gegenübersitzen. Statt zunächst einmal den Kunden „durch Beobachtung“ wahrzunehmen, haben viele Verkäufer eine panische Angst vor den ersten paar Minuten: Es könnte ja eine Schweigeminute entstehen, so ihre Befürchtung. Die Folge: Sie reden auf Teufel komm raus, nur um etwas zu sagen.
Doch damit haben sie schon ihre erste Chance verpasst und ihre Antennen wieder eingezogen. Unterrichten Sie deshalb Ihre Verkäufer wieder in der nützlichen Lehre der Körpersprache. Sensibilisieren Sie Ihre Außendienstmitarbeiter für die feinen Signale, die der Kunde permanent aussendet. Egal, ob er schweigt oder redet: Seine Körperhaltung, seine Mimik, seine Gestik können Ihnen genau die Informationen geben, die Sie noch benötigen. Ohne dass Sie große Worte wechseln müssen. Achten Sie auf die Übereinstimmung! Sicherlich haben Sie und Ihre Verkäufer auch schon folgende Situation erlebt: Sie sitzen einem Kunden gegenüber und er sagt: „Das gefällt mir sehr gut!“ Doch Sie merken, irgendetwas stimmt hier nicht. Der Kunde weicht Ihrem Blick aus, er sieht zur Seite oder nach unten. Weder lächelt er, noch strahlen seine Augen. Instinktiv haben Sie das Gefühl: „Das stimmt nicht, was er sagt!“ Und Sie haben Recht: Seine Körpersprache sagt etwas anderes als seine Worte. Sie verrät Ihnen also das genaue Gegenteil! Fordern Sie Ihre Verkäufer dazu auf, immer wieder die Worte des Kunden mit seiner Körpersprache zu vergleichen. Ganz hervorragende Botschafter sind übrigens die Augen: Ihr Gesprächspartner lächelt, doch seine Augen bleiben glanzlos und weit geöffnet? Dann ist sein Lächen nicht echt! Es kommt nicht von innen heraus. Bei einem echten Lächeln verändern sich auch die Augen. Sie lächeln mit! Noch auffälliger ist die Gesichtsmimik des Kunden: Vielleicht ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass manche Menschen lächeln – doch sie ziehen dabei nur den einen Mundwinkel hoch.
Das heißt für Sie im Klartext: Der Kunde versucht zu lächeln, doch es gelingt ihm nicht richtig. Er verstellt sich oder ist unsicher und verkrampft! Übrigens: Rechtshänder ziehen in dieser Situation den linken Mundwinkel hoch – Linkshänder den rechten. Enttarnen Sie Ihre Kunden. Solche groben Unstimmigkeiten werden Ihre Verkäufer noch relativ leicht erkennen. Doch nicht jeder Kunde macht es ihnen so leicht: In den meisten Fällen wird es schon etwas kniffliger. Denn sicherlich kennen auch Sie solche Kunden, die stets freundlich und gut gelaunt sind – nur kaufen sie nichts! Mit ihnen können Sie über Gott und die Welt reden. Der Kunde wird Sie nie abweisen. Smalltalk liebt er über alles. Auch die Beziehungsebene stimmt. Nur nicht der Umsatz, den Sie mit diesem Kunden tätigen. Auf den ersten Blick scheint dies unverständlich – doch auch hier können Sie Ihren Verkäufern relativ leicht erklären, warum sie mit diesen besonders freundlichen Kunden oft am wenigsten Umsatz machen. Der wahre Grund: Sie reden zwar über alles Mögliche – jedoch nicht über das Geschäft! Und genau das ist der springende Punkt: Wer statt des Ein-Minuten-Smalltalks schon eine halbe Stunde über seinen nächsten Urlaub palavert, der will nicht kaufen! Er hat ganz andere Dinge im Kopf. Und die bittere Wahrheit lautet: Ihre Verkäufer sind für ihn nichts weiter als geduldige Zuhörer. Mehr nicht.
Lassen Sie es also nicht zu, dass Ihre Leute mit solchen Plaudertaschen ihre wertvolle Zeit vergeuden. Rechnen Sie ihnen vor, was solche Besuche kosten. Sie lohnen sich nicht! Schicken Sie Ihre Verkäufer lieber zu den Kunden, die wirklich über den Auftrag reden wollen. Die Fragen zum Produkt stellen. Die wissen wollen, wann Sie liefern können. Und die nicht die ganze Zeit über Gott und die Welt plaudern. So knacken Sie auch schwierige Kunden. Natürlich gibt es noch weitaus schwierigere Fälle. Nämlich Kunden, bei denen Ihre Verkäufer absolut ratlos sind und nicht die leiseste Ahnung haben, was sie gerade denken. Die stets mit einem Pokerface dasitzen, keine Miene verziehen und nicht einmal die kleinste Regung zeigen, weder positiv noch negativ.
Die gute Nachricht: Auch solche Kunden können Sie knacken! Und zwar mit relativ einfachen Mitteln: Geben Sie ihnen einfach etwas zu tun, so dass sie gefordert sind. Drücken Sie ihnen Ihr neuestes Produkt in die Hand und fordern Sie den Kunden auf, es zu testen. Ermuntern Sie ihn, es auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen, wenn es sich um ein Modell handelt, das dafür geeignet ist. Oder im Notfall können Sie ihm einen Prospekt reichen: „Schlagen Sie doch bitte mal die Seite 27 auf und schauen Sie sich diese Skizze von unserem Modell ,Gigastar‘ an“ – auch damit animieren Sie den Kunden, zu handeln. Er wird sich dann bewegen und kann nicht mehr reglos dasitzen.
Ein Trick für Mutige: Erschrecken Sie den Kunden ein wenig, so dass er leicht zusammenzuckt und unwillkürlich reagiert. Zum Beispiel, indem Sie „versehentlich“ etwas fallen lassen. Achten Sie aber darauf, dass Sie dadurch keinen Schaden anrichten: Weder darf etwas zu Bruch gehen – es sei denn, es handelt sich um ein Produktmodell, von dem Sie noch genügend andere haben – noch darf Eigentum des Kunden beschädigt werden. In dem Moment, in dem der Kunde erschrickt, gibt er seine beherrschte, kontrollierte Haltung auf. Er benimmt sich ganz natürlich. Und vergisst, sein Pokerface aufzusetzen.
Schulen Sie Ihre Mitarbeiter, die subtile Körpersprache des Kunden zu interpretieren. So behalten sie die Initiative im Kundengespräch.