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Future of Entrepreneurship: Mit Sozial-Projekten Mehrwert erzielen

Donnerstag, 4. Dezember 2008 11:45

Die erfolgreichen Unternehmer von morgen stellen sich auf als Soziopreneure

Die Idee des sozialen Unternehmertums hat seit Mohamed Yunus, dem Gründer der Grameen Bank in Bangladesh, deutlich an Aufschwung gewonnen. Auch hierzulande hat sich inzwischen eine blühende Branche entwickelt, die, jenseits der typischen Innovationsbereiche wie Technik, Dienstleistung oder Konsum eine Reihe von sozial-innovativen Unternehmen hervorgebracht hat. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie soziale Probleme erfolgreich und ohne die Hilfe des Staates mit unternehmerischem Geist und betriebswirtschaftlichem Kalkül lösen.

3 Beispiele dafür:

1. Human Resources revisited: Die IHP GmbH macht den Arbeitsmarkt zur Privatsache

Im April 2007 haben sich im Emsland 4 Unternehmen zum Dienstleistungsanbieter iHp GmbH (Industrie, Handel und Prozessindustrie) zusammengeschlossen. Das Ziel: dem Fachkräftemangel in der Region entgegenwirken und Langzeitarbeitslose wieder fit für den Arbeitsmarkt machen – und damit nebenbei Geld verdienen. Service wie Facility-Management und personalwirtschaftliche sowie gewerbliche Dienstleistungen sind speziell auf die Bedürfnisse der Kunden aus Industrie und Handel zugeschnitten. Das Bemerkenswerte an iHp: Die bisher einzige privatwirtschaftliche Initiative dieser Art kommt ganz ohne Arbeitsamt und Subventionen vom Staat aus und ist weder Personal-Service-Agentur noch klassische Leiharbeitsfirma. Die Gewinne der Gesellschafter sind gedeckelt, alles, was darüber hinausgeht, wird in die Weiterbildung der Angestellten gesteckt, denn die sollen langfristig an iHp gebunden werden. Derzeit kommen pro Monat 10 neue Mitarbeiter dazu, 500 sollen es in wenigen Jahren sein. Für das erste Geschäftsjahr ist ein Umsatz von 4 bis 5 Millionen Euro angepeilt (www.ihp-el.de).

2. Social Banking: Konten für „Menschen ohne Bank“

„Die Zweite Sparkasse“ ist eine von einer Stiftung der „Erste Bank Gruppe“ gegründete Sparkasse für Kunden, die in eine finanzielle Notlage geraten sind und denen der Zugang zu Bankdienstleistungen verweigert wird. Einzige Voraussetzung für ein Konto ist ein bereits laufendes Betreuungsverhältnis etwa bei der Schuldnerberatung, der Caritas oder bei anderen sozialen Wohlfahrtseinrichtungen. Die Leistungen, die den Kunden angeboten werden, unterscheiden sich im Kern nur wenig von denen anderer Banken. Es gibt ein Girokonto ohne Überziehungsmöglichkeit mit Bankkarte und Internetbanking, ein Sparkonto, das höher verzinst wird, aber keine Bargeldabhebungen am Bankautomaten einschließt, und sogar einen Bausparvertrag, der mit geringen Prämien und kleinen Raten zu besparen ist. Auch Versicherungsleistungen werden kostenlos oder zu extrem günstigen Beiträgen angeboten. Mit diesem sozialinnovativen Bankangebot soll den Kunden dabei geholfen werden, Inhaber eines neuen Kontos bei einer „normalen“ Bank zu werden. Das Besondere an der Zweiten Sparkasse ist auch, dass sie ausschließlich von freiwilligen aktiven oder pensionierten Erste-Bank-Mitarbeitern geführt wird (www.sparkasse.at).

3. Social-Kita als bessere Alternative zum staatlichen Betreuungsangebot

Mit seinem Konzept Kinderzentren Kunterbunt e.V. bietet der gelernte Jurist Björn Czinzoll berufstätigen Eltern ein flexibleres und besseres Betreuungsangebot an, als es die meisten staatlichen Einrichtungen tun: Die Kinderzentren haben Montag bis Samstag von 7 bis 19 Uhr geöffnet, verfügen über einen umfangreichen Zusatzservice, entstehen immer in Kooperation mit und in der Nähe von Unternehmen und sind dennoch öffentlich – wodurch öffentliche Fördergelder mit einfließen und den Unternehmen der sozial- innovative Betreuungsservice kostenlos angeboten werden kann. Knapp 130 Projektanträge bearbeitet Czinzolls gemeinnütziger Verein derzeit. In den nächsten 3 Jahren sollen bundesweit über 100 neue Kinderzentren eröffnet werden. Große Firmen wie Opel, T-Systems, MAN, Nike und nahezu alle DAX- Unternehmen haben sich bereits nach dem sozial-innovativen Konzept der Kinderzentren Kunterbunt erkundig. 2006 gab es dafür den Preis „Social Entrepreneur“ (www.kinderzentren.de).

Zukunftsletter-Einschätzung: Der Erfolg der Soziopreneure zeigt, dass sich die Konvergenz von Moral und Business weiterentwickelt hat – auch über die klassischen Sektoren von Öko-Energie und Bio-Branche hinaus. Unsere Auffassungen von Sozialpolitik und dem Verhältnis zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft werden dadurch in der Zukunft weiter verändert werden. Entlang der ehemaligen Versorgungssphären des Staates entsteht in den nächsten Jahren ein riesiger Investitionssektor, der für viele Unternehmen nicht nur aus Prestigegründen, sondern auch aus ökonomischer Sicht von großer Bedeutung sein wird.

Thema: Trends, Zukunft | Kommentare (1)